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Book reviews 2016 [2]

Kößler, Reinhart: Namibia and Germany. Negotiating the Past. XIII and 377 pp., 59 figs., 3 tables and 4 maps. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2015, € 39,90

Auch über hundert Jahre nachdem das damalige so genannte „Deutsch Südwestafrika“ unter südafrikanische Verwaltung kam, sind die Beziehungen zwischen dem aus der deutschen Kolonie hervorgegangenen, heutigen Namibia und Deutschland von besonderer Art. Dies gilt für die historischen Verbindungen, die wirtschaftlichen Verflechtungen und die kulturellen Berührungspunkte ebenso wie für die – wahrscheinlich auch daraus erwachsenen – Schwerpunktsetzungen als touristische Fernreisedestinationen sowie als Kooperationspartner in der Entwicklungszusammenarbeit. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Namibia und ihre heutige Dynamik kann man nicht anders als vor dem Hintergrund ihrer wechselnden historischen Kontexte verstehen. Dieses Unterfangen gelingt dem Autor auf hervorragende Weise, aufbauend auf einem reichhaltigen Erfahrungsschatz. Reinhard Kößler, dessen Name dem Leser auf dem Cover des neuen Buches und in dessen Literaturverzeichnis in zwei unterschiedlichen Schreibweisen entgegentritt, hat sich als Politikwissenschaftler so intensiv wie kaum ein anderer mit Themen der Entwicklungsforschung, der Erinnerungspolitiken und sozialer Gerechtigkeit im Südlichen Afrika auseinandergesetzt. Er hat dazu eindrucksvoll reichhaltig, zunächst noch meist in deutscher Sprache, später zunehmend in Englisch publiziert. Davon legt das sich über drei Seiten des nun anzuzeigenden Werkes erstreckende Verzeichnis von themenbezogenen Publikationen des Autors beredet Zeugnis ab. Bei politisch-historischen Themen ist das nicht immer ganz einfach, wie man auch hier am etwas holprig klingenden ethnically conscious für volksbewusst (S. 114) oder dem im Literaturverzeichnis penetrant vertretenen Frankfort-on-Maine merkt. Dass nun aber ein Negotiating the Past in Englisch erscheint, ist weit mehr als eine reine Übersetzung früherer Werke (Kößler 2008), sondern vor allem ein Zur-Verfügung-stellen von Diskussionsthemen und Diskursanalysen für eine breitere internationale und insbesondere namibische Öffentlichkeit. Dieser wird damit die Gelegenheit gegeben, jenseits aller Sprachbarrieren zu erfahren, welches Gewicht und welchen Raum die immer noch kontroverse Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Vergangenheit in Deutschland einnimmt. Neben der Überraschung über die Präsenz der Vergangenheit in deutschen Wissenschaftsdiskursen – insbesondere der Soziologie und der Politologie – beeindruckt namibische Leser des jüngsten Werkes von Reinhard Kößler vor allem die Tatsache, dass es anderswo offenbar Diskussions- und Bewertungsalternativen deutscher Provenienz zu den in Namibia oft vorgeschlagenen Einordnungen mancher, politisch eher gestriger Deutsch-Namibier gibt.
Insgesamt wirkt die differenzierte und kritische Herangehensweise an ein überraschenderweise immer noch stark emotionsgeladenes Thema wohltuend. Sie steht damit ganz im Gegensatz zu anderen Erklärungsversuchen und ist nicht pauschalisierend (Schmidt-Lauber 1998) aber auch nicht unnötig politisch-korrekt und verharmlosend (Schüler 2009). So wird beispielsweise zwar richtig auf die Persistenz national(sozial)istischen Gedankengutes unter einigen deutschsprachigen Namibiern hingewiesen, diese aber nicht verallgemeinernd als ein ethnisches Alleinstellungsmerkmal dargestellt. Auch bei anderen Aspekten arbeitet die Studie ergänzend und wissenschaftlich vervollständigend, wenn etwa der Besuch der früheren Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul in Namibia und ihre Thematisierung des deutschen Genozids an den Herero besprochen aber auch nicht vergessen wird, anzuführen, dass man danach in Namibia eine Entschuldigung der deutschen Ministerin immer noch vermisste (S. 254). Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt (Dittmann 2015), sind solch gründlich recherchierte Arbeiten über Namibias jüngere Geschichte und Komplexe heutiger Vergangenheitsbewältigung leider immer noch nicht allgemeiner Standard. Bedauerlich bleibt allerdings auch, dass Literatur offenbar über die Grenzen eigener politischer Bewertung hinweg, also trans-politisch, eher wahrgenommen wird als transdisziplinär; denn geographische Literatur über Namibia, die ja reichhaltig existiert, wird im anzuzeigenden Werk offenbar kaum wahrgenommen bzw. zitiert. Umgekehrt gilt das disziplin-blinde zitieren leider auch für manche geographische Abhandlung über Namibia. Über die Gründe dafür mag die geographische Community spekulieren.

Andreas Dittmann

 

Literatur

Dittmann, A (Hg.) (2008): Oruramba Omatako. Dornige Pfade in Südwest-Afrika. Bonn u.a.

– (2015): Rezension von: B. Schmidt-Lauber (1999): Die verkehrte Hautfarbe. Ethnizität deutscher Namibier als Alltagspraxis. In: Erdkunde 69 (4), 372–373.

Kößler, R. (2008): Entangled history and politics. Negotiating the past between Namibia and Germany. In: Jounal of Contemporary African Studies 263, 217–230.

– (2011): Zweierlei Amnesie und die komplexe postkoloniale Lage Namibias. In: Die Friedenwarte 86, 73–99.

Schmidt-Lauber, B. (1998): Die verkehrte Hautfarbe. Ethnizität deutscher Namibier als Alltagspraxis. Berlin.

Schüler, U. J. (2009): Landreform in Namibia. Die Landumverteilung seit Erlangung der Unabhängigkeit. Berlin.




Maus, Gunnar: Erinnerungslandschaften: Praktiken ortsbezogenen Erinnerns am Beispiel des Kalten Krieges. IX und 293 S., 31 Abb. und 20 Tab. Kieler Geographische Schriften 127. Selbstverlag des Geographischen Instituts der Universität, Kiel 2015, € 16,50

Mit der hier zu rezensierenden Kieler geographischen Dissertation wurde der anspruchsvolle Versuch unternommen, das Forschungsfeld der „Erinnerungslandschaften“ nicht nur als eine wichtige Aufgabe der modernen Humangeographie theoretisch zu begründen, sondern auch die Brauchbarkeit des Konzepts der „Praktiken ortsbezogenen Erinnerns“ durch eine umfassende Fallstudie zu den beiden unterschiedlich durch den Kalten Krieg betroffenen Gebieten des Fuldaer Raumes in Osthessen und von Schleswig-Holstein (unter Einbeziehung des Großstadtbereichs von Hamburg) vorzuführen. In der Zusammenfassung heißt es hierzu: „Überreste der Militarisierung im Westen der Bundesrepublik werden seit einigen Jahren verstärkt als Relikte des Kalten Krieges gedeutet. An diesem Prozess sind Akteure aus unterschiedlichen Feldern […] beteiligt. Ihre Aktivitäten können zusammenfassend als im Entstehen begriffene Erinnerungslandschaft des Kalten Krieges bezeichnet werden“.
Die Untersuchung zeichnet sich durch eine beeindruckende Übersichtlichkeit der Darstellung aus, was bei dem komplexen Thema keine Selbstverständlichkeit ist. Bemerkenswert sind neben den durchdachten Zwischenüberschriften und Hervorhebungen die fünf Zwischenfazite als Vorbereitung für das umfangreiche Schlusskapitel sowie die 9 gesondert aus dem Text herausgelösten „Exkurse“, die nach Aussage des Verfassers „theoretische Bezüge, empirische Beispiele oder weiterführende Informationen, die nicht zum Kern der Arbeit gehören“, enthalten. Weiterhin sind zahlreiche vom Verfasser erstellte Untersuchungsschemata, einige Übersichtskarten und eine Fülle von Abbildungen in schwarz-weiß positiv zu erwähnen. Eine sehr plastische Vorstellung von einer „militarisierten Landschaft“ vermittelt das farbige Bild auf dem Buchtitel.
Das Inhaltsverzeichnis weist folgende Kapitelüberschriften auf: 1. Wie erinnern wir den Kalten Krieg? 2. Geographische Erinnerungsforschung (Kollektives Erinnern; Individuelles Erinnern; Soziale Praxis; Bedeutungsvolle Materialitäten). 3. Erinnerungslandschaft als Analyserahmen (Praktiken als Ort des Sozialen; Von der Sozialontologie zum Analyserahmen; Erinnerungslandschaften). 4. Forschungsdesign und Einführung in den Untersuchungsgegenstand (Fragestellung und empirische Kontexte; Beachtbarkeit sozialer Praktiken; Methodik und Feldforschung). 5. Denkmalschutz und Geocaching als Praktiken ortsbezogenen Erinnerns (Staatlicher Denkmalschutz und Zeugnisse des Kalten Krieges; Geocaching und Lost Places der Geschichte). 6. Erinnerungskultureller Kontextualitätswandel: Vergangenheit für die und in der Gegenwart (Relikte des Kalten Krieges als Vergangenheit für die Gegenwart; Persistenz von Praktiken aus der Zeit des Kalten Krieges als Vergangenheit in der Gegenwart). 7. Erinnerungslandschaften zwischen Homogenität und Vielfalt. Am Beginn der Veröffentlichung ist eine knappe deutsche Zusammenfassung zusammen mit einer ebenfalls nur eine Seite umfassenden „Summary“ mit dem Titel „Landscapes of Memory: Practices of Localized Remembrance of the Cold War“ plaziert. In diesem Zusammenhang ist kritisch anzumerken, dass das sehr instruktive Schlusskapitel (7. Erinnerungslandschaften zwischen Homogenität und Vielfalt: S. 257–265) nicht ins Englische übersetzt wurde. Dies ist insofern bedauerlich, da sich der Verfasser sehr kenntnisreich mit der englischsprachigen Literatur auseinandersetzt. Darauf weist auch der Umstand hin, dass über die Hälfte der über 350 im Literaturverzeichnis genannten Titel von englischsprachigen Autoren stammen. Der internationalen Resonanz der in der Dissertation erarbeiteten Forschungsergebnisse wäre also eine umfangreichere Zusammenfassung bestimmt zugutegekommen.
Dieser hohe Anteil an nichtdeutschsprachiger Literatur ist kein Zufall. Er weist auf die grundlegenden Anregungen hin, die Maus hieraus gewonnen hat. An dieser Stelle ist auch der Hinweis angebracht, dass nach der Fachzugehörigkeit nichtgeographische Publikationen sowohl bei den deutsch- als auch bei den englischsprachigen Titeln eine große Rolle spielen. Besonders wichtig waren für den Verfasser die Veröffentlichungen des Sozialphilosophen Theodore Schatzki, der „präzise Begriffe für die Beschreibung routinisierter Handlungskomplexe als soziale Praktiken vorgelegt hat“. Im Anschluss daran entwickelte Maus eine „praxistheoretische Konzeption von Erinnerungslandschaft“ als „Erweiterung der Geographischen Erinnerungsforschung“ in die Richtung auf eine „public geography“.
Die beiden Untersuchungsräume ergänzen sich nach der Meinung des Autors in Hinblick auf ihre erinnerungskulturellen Dispositionen. Die als Fulda Gap bekannt gewordene osthessische Region galt als wahrscheinlichstes Hauptangriffsziel, während Schleswig-Holstein keine vergleichbare symbolische Aufladung im Kalten Krieg erfuhr. Für die Untersuchung der aufgelassenen Militäranlagen und der ehemaligen Einrichtungen des Zivilschutzes in den beiden Erinnerungslandschaften wurden fünf Felder ausgewählt: der staatliche Denkmalschutz, die Museen, die Initiativen, die Internetforen und das Geocaching. Besonders intensiv beschäftigte sich Maus mit den beiden extrem weit auseinanderliegenden Feldern des Denkmalschutzes und des Geocaching, wobei er von einer grundlegenden Gemeinsamkeit dieser verschiedenen Praktiken ortsbezogenen Erinnerns ausging. „Geocaching“ wird in der Untersuchung wie folgt definiert: „Ein Generationen übergreifendes Spiel mit dem Ziel, zuvor von anderen Teilnehmern versteckte Caches (Schätze) mit Hilfe geographischer Koordinaten und eines GPS-Gerätes aufzuspüren“. An diesem Teilkomplex wird besonders deutlich, welche speziellen Aufgaben hier der „public geography“ zugewiesen werden. Maus formuliert dies folgendermaßen: „Es ist wenig sinnvoll die Deutungshoheit über Orte, Dinge und ihre Geschichte staatlich legitimierten Institutionen allein zu überlassen oder nur diesen die Fähigkeit und Veranlagung dafür zuzuschreiben“. Maus zieht folgendes positive Fazit: „Am Beispiel der sog. ‘vorbereiteten Sperren‘ lässt sich gut nachvollziehen, welche Stellung die Relikte im Kontext verschiedener Praktiken jeweils in den korrespondierenden Arrangements einnehmen“.
Die Erinnerungslandschaft stellt für Maus eindeutig ein soziales Phänomen dar, das die Vergegenwärtigung von Vergangenheit bedeutet. Ihm ist aber auch bewusst, dass es sich hier um ein „ortsbezogenes Erinnern“ handelt und dass es „Kontextualitätswandlungen“ gibt. Zu diesem komplexen Themenfeld, wozu z.B. intensiv diskutierte Begriffe wie z. B. „Neue Kulturgeographie“, „Historische Geographie“, „Kulturlandschaftsforschung“ gehören, finden sich in der Dissertation aufschlussreiche Ausführungen. Maus legt Wert auf die Feststellungen, dass in dem von ihm verwendeten Begriff der „Erinnerungslandschaft“ auch das „Alltagsverständnis von Landschaft als materiellem Arrangement“ berücksichtigt ist und historisch-geographische Analysen einen hohen Erklärwert für die Vergangenheit der gegenwärtigen Identitäten und sozialen Zusammenhängen haben.
Aufhorchen lässt folgendes Statement des Verfassers in der Einleitung (S. 8): „Die deutschsprachige Historische Geographie beklagt zu Recht, dass die hiesige Humangeographie im Zuge ihres nachholenden ‚cultural turn‘ die historische Perspektive vernachlässige. Während im englischsprachigen Kontext historisch-geographische Studien immer auch zu den Vorreitern kulturgeographischen Arbeitens zählen, hat hierzulande das Bekenntnis des Fachs zu konstruktivistischen Ansätzen weder zu einer Rezeption historisch orientierter Arbeiten noch zu verstärkter Beschäftigung mit der Vergangenheit geführt. Die Geographische Erinnerungsforschung kann hier eine Brückenfunktion einnehmen. Da sie in erster Linie – wenn auch nicht ausschließlich – gegenwärtige soziale Phänomene der Beschäftigung mit der Vergangenheit thematisiert, ist sie kulturgeographisches (hier wohl im Sinne von aktualgeographisch gemeint! Anm. K.F.) und historisch-geographisches Projekt zugleich“.
Erfreulicherweise beließ Maus es nicht bei dieser knappen Feststellung, sondern er beteiligte sich engagiert an neuesten Aktivitäten der Historischen Geographie in Deutschland. Auf die Initiative der beiden Lehrstühle für Historische Geographie an den Universitäten Bonn und Bamberg hin wurden 2014 in Bonn und 2016 in Bamberg Tagungen zum Themenbereich „Zwischen Geschichte und Geographie, zwischen Raum und Zeit“ durchgeführt, deren Vorträge in der neugegründeten Schriftenreihe „Historische Geographie“ veröffentlicht wurden bzw. werden. Als Thema für seinen Beitrag zur zweiten Tagung wählte Maus bezeichnenderweise: „Erinnerungslandschaften des kalten Krieges. Eine ‚popular historical geography‘?“.
Die geschickte Verbindung von umfassenden wissenschaftstheoretischen Überlegungen und detaillierten praxisorientierten Ausführungen überzeugt an diesem Buch ebenso sehr wie die präzise Darstellung und die klare Gliederung. Es ist darüber hinaus außerordentlich anregend, wobei dieser Aspekt in der Besprechung verständlicherweise nur ansatzweise im Detail behandelt werden konnte.

Klaus Fehn




Miehe, Georg; Pendry, Colin (eds.) and Chaudhary, R. P. (ass. ed.): Nepal. An introduction to the natural history, ecology and human environment of the Himalayas. A companion to the Flora of Nepal. VII and 561 pp., numerous figs. and tables. Royal Botanic Garden, Edingburgh 2015

This book is a companion volume to the ongoing production of the Flora of Nepal. The Republic of Nepal, located in the middle of the Himalayas, has a globally very high plant diversity and the flora will therefore be published in many volumes (10). Three volumes have been completed and whilst the remainder are still in progress, the companion to the Flora of Nepal will explicitly explain why the Himalayas are a biodiversity hotspot.
The book contains 579 pages and has many wonderful and informative pictures, diagrams and maps. The two main editors, Miehe and Pendry, have complementary qualities. The former belongs to the classic empirical school of geography (Philipps University Marburg) and the latter is a taxonomist from Royal Botanic Garden Edinburgh, the world centre of excellence in plant life of the Himalayas. The third editor, Chaudhary, is a taxonomist and conservation biologist from Nepal (Dept. of Botany, Tribhuvan University). Together these three editors have done a tremendous job editing manuscripts from over forty other authors (mainly from Nepal and Germany) into a total of 17 chapters, with numerous subchapters.
The original aim, as stated by the editors (pg. iii), was to create a “concise overview of the physical and biotic environment of Nepal and the Himalayas.” However, a short and concise overview has not been produced, rather an overwhelming documentation of the physical, biological and anthropogenic environment in Nepal is presented, which at times are extremely rich in details.
The target groups are naturalist, students, and researchers within the natural environment, but the book is probably most useful for scientists who have some prior knowledge of the Himalayas. This group will find a fantastic source of information on climate, plants, and biogeographical and ecological processes in space and time, which may suit the companion flora volumes.
The book can be divided in three to four main sections: (i) the physical environment, (ii) flora, fauna and vegetation types, and (iii) ecology in the broadest sense, including land use, the use of plants, anthropogenic landscape, and the last chapter deals with nature and environmental protection. There are also chapters on mushrooms and animals, as well as an overview of the many floristic expeditions of past centuries led by for instance N. Wallach, Sir J. D. Hooker, and C. Troll to name a few.
The book provides a thorough, detailed and comprehensive description of the natural geographic aspects of the Himalayas, and draws some lines and parallels to similar sub-/tropical mountain ranges. The editors place the Himalayas in the tropical biome, which is not strictly correct with respect to latitudinal location (>27o north), but the lowland flora has many species belonging to tropical genera and families common to the sub-Indian continent as well as Indochina. However, the book is at times extremely detailed, and it may had been an advantage if one had used more referees to facilitate a more concise overview of the different topics. In spite of this detailed approach, this book includes digital maps, photographs and graphic shapes of the highest quality that describe both the physical, biological and geographic reality in a very satisfactory manner.
The first section of the physical environment (geology, landforms and climate) is very informative. The authors explain, among other things, the important role of the monsoon climate for soil, vegetation, and the people whose livelihood depend directly from primary production. Unfortunately, the language in this part is, to some extent, too technical and sometimes difficult to access, in particular the meteorological part. In this section one also finds almost too many details, such as ‘weather-charts’ from one day in one place, the same goes for ‘plant community tables’ in chapter 16. Those who are interested in these details will probably search and find them in the original German literature, such as PhD theses and professorial monographs.
One of the main chapters describes the vegetation types (16); it is very well written and provides a nice overview of the many different vegetation types including all the diversity of forest types found in the various elevation zones. It does also emphasize the difference between dry-interior valleys and the dominant monsoon influenced vegetation. This chapter also has a well-organized structure with eight points (key concepts e.g. distribution, habitat, disturbance classes), which provides an outline for each unit described. This makes it easy to identify what you are particularly interested in. The chapter has a dynamic approach, and it does make an attempt to pinpoint some indicators of the magnitude of disturbance. It is therefore strange that the outdated ‘climax-term’ (≈ potential ‘natural vegetation’) is used in this context. However, with so many authors from different academic cultures it is of course difficult to present a coherent ecological view. The terminology used is, except for the climax-term, in line with common ecological literature, but it is difficult to understand why the well-established Nepalese geographical concept ‘mid-hills’ is replaced with ‘midlands’.
The main chapter, dealing with the flora and biogeography, provides an excellent ‘up-to-date’ overview of current knowledge. The Flora chapter is, of course, particularly well refined and presents a lot of new and interesting knowledge for those who do not deal with plant systematics daily. Particularly interesting are the evolutionary and biogeographic components that try to provide a ‘state of the art’ of the origin the Himalayas in relation to immigration and evolution of plant groups (clades). Here it is best to forget everything you have seen and read in previous textbooks, because the authors elegantly demonstrate that the palynological findings and the biogeographic interpretations do not point towards anything nearby a consensus, neither the timing of the collision between the Eurasian and the Indian subcontinent or how many different phases this process has undergone.
In this section there is also a whole chapter on mycota (mushrooms) and fauna, especially birds and invertebrates. The latter may seem a little bit out of context as this primarily companion a flora, but it is more difficult to understand the relevance of the subchapter on language groups in Indochina. It is not easy to pinpoint anything missing in this comprehensive book, but I would have liked to have seen a separate sub-chapter on introduced plants that may also have indicated the few but dangerous invasive plants. This is an important issue in relation to conservation strategy, which could have been discussed in relation to issues of land use and its changes that are nicely described in a separate chapter (13). In this chapter the vegetation, climate and agriculture are described as a dynamic interplay, and clearly show how dynamic the different vegetation types in chapter 16 actually are. The authors highlight two key factors behind the positive reversal of deforestation in Nepal: The successful program ‘Community Forestry’, which gives ordinary villagers domain and user rights of the nearby forest, and prevent the local and urban elite to clear-cut forests that are a vital resource for both livestock and for the making of natural fertilizer for the agriculture fields. In addition, the massive labour migration taking place to urban centres in general and to the Persian Gulf in particular has reduced the demand for forest and therefore the forests are expanding in most part of Nepal, with the exception of the lowlands (Tarai). In this context it is appropriate to highlight the last chapter on conservation ecology (17), which is very informative and gives a concise overview of the historical transformation of the underlying policy for environmental and nature protection: from classic national parks segregated from people (e.g. ‘Chitwan National Park’) to conservation of anthropogenic landscape with both the use and protection (e.g. ‘Annapurna Conservation Area’). It is clear that the assistant editor, who has authored several published papers on conservation strategies, has taken a leading role in this outstanding closing chapter.
All in all, this is a wonderful source of biological and geographical information, with a complementary bibliography where one can find scientific background material. It is illustrated in an exemplary manner that makes the text more accessible. Let us hope that this book provides inspiration for the future generations and stimulate more research on the Himalayas in general and Nepal in particular, and that the forthcoming floras in the pipeline will be finished before this book is outdated.

Ole R. Vetaas

 

 

 

Gorbatschow, Michail: Das neue Russland. Der Umbruch und das System Putin. 559 S. Quadriga, Köln 2015, € 25,-

„Russland ist ein Rätsel in einem Geheimnis, umhüllt von einem Mysterium.“ Wie oft werden diese berühmten Worte von Winston Churchill unvollständig zitiert, wenn man die neue, alte Großmacht zu verstehen versucht. „Doch vielleicht gibt es einen Schlüssel“, folgert Churchill (Fasbender 2014, 9–10; Marshall 2015, 18). Und in der Tat, Gorbatschows aktuelles Buch ist sein persönlicher Schlüssel, der einen Zugang zur geheimnisvollen „russischen Seele“ historisch und innen- wie außenpolitisch eröffnet. Vor allem aus der Sichtweise einer diskursanalytischen Herangehensweise erscheint die Publikation für die anthropogeographische Teildisziplin „Politische Geographie“ interessant, weil wesentliche Aspekte im kontextgebundenen Spannungsfeld von Gesellschaft, Raum und Machtwirkungen tiefgreifend thematisiert werden (Waschke 2016, 17–18).
Beginnend mit der Post-Perestroika Epoche beleuchtet Gorbatschow seine persönliche Sicht der Dinge über die Schicksalsjahre und Zeiten der Wirren in den 1990er Jahren. Das zweite Hauptkapitel widmet er der widersprüchlichen Putin-Ära I, den er während der Präsidentschaft Medwedew für den wahren „Autor der russischen Geschichte“ (S. 327) hält. Ein Blick in „die beunruhigende neue Welt“ (S. 352) nimmt die größte Gewichtung seines persönlichen – aber nicht wissenschaftlichen – Werkes ein. Der Fokus, den Gorbatschow hier wählt, stellt die gegenwärtigen außenpolitischen Konflikte einerseits und andererseits die innenpoltische Zukunft Russlands dar, welches den sozialdemokratischen „Weg der Freiheit beschreiten muss“ (S. 534).
Der sowjetische Reformer kritisiert zu Recht die willkürliche Präsidentschaft Jelzins und seiner Radikal-Liberalen Entourage und rechnet mit ihr gnadenlos ab. Gorbatschow, ein Mann der sein Land so veränderte wie wohl kaum ein Mensch zuvor und dafür als „Totengräber der Sowjetunion“ denunziert wird, bezichtigt Jelzin als den wahren Zerstörer (Genscher 2015, 137). Ähnlich wie Putin, der den Untergang der Sowjetunion als die „größte geopolitische Katastrophe“ (Putin 2005) bezeichnete, hält auch Gorbatschow den Zerfall der Sowjetunion für den „größten strategischen Fehler“ (S. 58), der durch die Putschisten widerrechtlich ausgelöst worden sei. Eine abenteuerliche Schocktherapie (S. 75), ein bedenkenloses Folgen westlicher Rezepte, ohne die eigenen Besonderheiten und Traditionen zu berücksichtigen (S. 122) und Wahlmanipulationen, worüber der Westen im Gegensatz zu heute eindrucksvoll geschwiegen habe (S. 164), hätten die Entwicklungen Russlands in den 90er Jahren bestimmt und einen „irreparablen Schaden“ (S. 78) an den demokratischen Glauben angerichtet (S. 179). Gorbatschow reflektiert, dass Jelzins Verfassungsreform der politische Wegbereiter eines superpräsidialen Autoritarismus gewesen sei. In Kombination mit der besonderen Einstellung zur höchsten Macht, die dem russischen Nationalcharakter zu Eigen sei (S. 113), habe Jelzin eine gefährliche Perspektive eröffnet, die sich Putin heute mehr denn je zu Nutze mache, getreu der russischen Losung: „Alles bewegt sich im Rahmen der Verfassung, aber nicht im Geiste der Demokratie“ (S. 270–271).
Mit geringer Selbstkritik macht Gorbatschow Jelzin für die „Parade der Souveränitäten“ (S. 133) verantwortlich, vergisst aber gleichzeitig zu erwähnen, dass er derjenige war, der mit der Abkehr von der „Breschnew-Doktrin“ die Initialzündung für die Unabhängigkeitsbestrebungen in Osteuropa veranlasste. Im Kontext der damaligen Entwicklungen räumt Gorbatschow eine gewisse realpolitische Naivität ein, betont aber, dass die Sowjetunion in einer demokratischen Gestalt noch existieren würde, wenn es nicht zum Augustputsch gekommen wäre. Zur Begründung dieser These lässt Gorbatschow jedoch andere eminente Ursachen, die zum Zerfall der Sowjetunion mit beigetragen haben, außen vor (Waschke 2016, 27–28).
Eine gewisse Leichtgläubigkeit zeigt sich auch in seiner anfänglichen innenpolitischen Begeisterung gegenüber Putin. Im Gegensatz zur Ära Jelzin unterstützte Gorbatschow die politische Linie des neuen Präsidenten lange uneingeschränkt (S. 197, 217, 233, 247). Was im Westen als Willkür und Autoritarismus angesehen wird, galt in Russland als elementare Notwendigkeit für eine funktionierende Staatsführung (Kissinger 2016, 70). Putin, der einen Zustand der Anarchie erbte (S. 232), habe den Menschen ihre Würde zurückgegeben und verhinderte den Zerfall des Landes, so Gorbatschow (S. 190, 262).
Doch im Laufe der Entwicklung weicht diese enthusiastische Euphorie immer mehr in Richtung bitterer Enttäuschung, obwohl Gorbatschow Putin namentlich eher selten nennt und eine imaginäre Machtelite dafür verantwortlich macht. Zur ewigen Wahrung des eigenen Machtmonopols lähme die Putinsche Machtvertikale wie ein Krebsgeschwür, dessen Metastasen den ganzen politischen Körper befallen hätten, das öffentliche Leben. Der „Konservatismus wird als eine Art Allheilmittel“ (S. 502) auf ein Podest gehoben und baue auf die Apathie einer passiv gestimmten schweigenden Zivilgesellschaft (S. 340, 518), in der „das Erbe des Totalitarismus in den Traditionen, Köpfen und Sitten äußerst tief verankert“ (S. 47) sei und die „Angst vor allem Neuen“ (S. 24) habe. Ein System ohne Zukunft versuche der Gesellschaft eine Zwangsjacke überzustülpen, z. B. durch ein in Reagenzgläsern künstlich geschaffenes Parteiensystem (S. 213), das die Grundfreiheiten und das bürgerliche Engagement immer mehr beschränke (S. 345).
Noch ein Aspekt aus Gorbatschows lesenswertem Buch, der den Russland-Diskurs belebt, ist seine kontinuierliche außenpolitische Unterstützung für Putin. Gorbatschow lässt seinen persönlichen Empfindungen gegenüber dem unverhohlenen Zynismus des Westens und besonders gegenüber den USA freien Lauf und pocht förmlich auf die Russland gebührende Hochachtung. Obwohl alle russischen Präsidenten wichtige Chancen und Schritte in Fragen der gemeinsamen Sicherheit eröffnet hätten, sei die russische Stimme im Westen auf taube Ohren gestoßen. Besonders die beständige Erweiterung der NATO widerspreche dem Geist der Vereinbarungen, nicht zu einem militärischen Übergewicht zu gelangen. Hinter der Fassade der Freundlichkeit und Partnerschaft habe sich eine Politik verborgen, die darauf abzielte, Russland als Außenstehenden in einem halb erstickten Zustand zu isolieren und auf Dauer in der Weltpolitik im Abseits zu halten. Dabei sei eine Zusammenarbeit mit Russland in den wichtigsten militärischen und politischen Fragen, besonders in Bezug auf die aktuellen regionalen Probleme, unerlässlich. Gorbatschow mahnt, dass der Konflikt eine Situation geschaffen habe, die jeden Moment eskalieren, in eine regionale Explosion münden und die Welt an den Rand einer großen Katastrophe bringen könne. Er betont, dass die Vergangenheit mit dem Brudervolk über viele Fäden mit der Gegenwart verbunden sei und die Krise einen ernsthaften und gefährlichen Sturzflug der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen provoziert habe. Vor diesem Hintergrund kann es kaum erstaunen, dass Michail Gorbatschow den Westen auffordert, nicht mit dem Feuer zu spielen und dass jeder Druck auf Russland nichts außer Schaden bringe (S. 261). „Wie die Flut an der Küste eines Meeres“ (Kissinger 2016, 64) wird sich Russland als Großmacht wieder erheben, ohne das eine Weltordnung nicht denkbar sei, schlussfolgert Gorbatschow (S. 57, 426).
Sein innenpolitisches Credo lautet, dass Russland eine Demokratie „à la russe“ (Bahr 2015, 183) entwickeln müsse, die auf einer Synthese von kulturellen Eigenheiten, nationalen Traditionen und Werten aufbaue, die die Prüfung und Auslese im historischen Kontext überstanden hätten (S. 203, 518). Mit der Perestroika und Glasnost, einer der wichtigsten Errungenschaften des 20. Jahrhunderts, deren Bedeutung dem russischen Volk noch gar nicht bewusst geworden wäre (S. 22), sei ein Veränderungsprozess vorangeschritten, hinter dem es keine Rückkehr in die geistigen Fesseln einer totalitäre Vergangenheit geben werde (S. 313).
Gorbatschows persönlicher Schlüssel „zum Aufbau eines neuen Russlands“ (S. 326) ist ein sehnsüchtiger Ruf nach innenpolitischer Sozialdemokratie und außenpolitischer Renaissance zu den grundlegenden Postulaten des „Neuen Denkens“ (Gorbatschow et al. 1997). Präsidenten, Regierungen, sie alle kommen und gehen letzten Endes, aber Russland wird bleiben und die Interessen müssen für uns wichtiger sein als alles andere (S. 119), konstatiert der Friedensnobelpreisträger. „Dieser Schlüssel ist das russische nationale Interesse“, diese veritable Quintessenz offenbarte schon Churchills vollständiger Aphorismus (Fasbender 2014, 10; Marshall 2015, 18–19).

Torben Waschke

 

Literatur
Bahr, E. (2015): Ostwärts und nichts vergessen. Politik zwischen Krieg und Verständigung. Freiburg.
Fasbender, T. (20142): Freiheit statt Demokratie. Russlands Weg und die Illusionen des Westens. Waltrop.
Genscher, H. D. (2015): Meine Sicht der Dinge. Berlin.
Gorbatschow, M. S.; Sagladin, V. und Tschernjajew, A. (1997): Das Neue Denken. Politik im Zeitalter der Globalisierung. München.
Kissinger, H. (2016): Weltordnung. München.
Marshall, T. (2015)²: Die Macht der Geographie. Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt. München.
Putin, W. W. (2005): Jährliche Ansprache an die Bundesversammlung der Russischen Föderation. Abrufbar unter: http://eng.kremlin.ru/transcripts/7863; http://www.kremlin.ru/transcripts/22931 (Datum: 28.01.2015).
Waschke, T. (2016): Russland: Ein geopolitischer Diskurs im Wandel. Berlin.

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