One
Select issue
Year Issue
Article search ?
Author
Add author Del author
Keyword
Add keyword Del keyword
Full text

all these words
this exact wording or phrase
one or more of these words
any of these unwanted words
Year
till
 
Two
You are here: Home Archive 2015 Towards responsible geographies of memory: complexities of place and the ethics of remembering

Article details

Towards responsible geographies of memory: complexities of place and the ethics of remembering

DOI: 10.3112/erdkunde.2015.04.01
Year: 2015
Vol: 69
Issue: 4
Pages: 291-306
Summary:

Debates about the meanings of place often emerge when unsettled pasts resurface unexpectedly in ways that dislocate present-day land-uses. Such was the case for the IGU 2011 Regional Meeting in Chile, which was held in Santiago's Military Academy. When considering the geographical scholarship about place and memory, the debates resulting from the conference should not be surprising. Geographers have long examined the controversial processes of social memory and forgetting at places marked by state-perpetrated violence and have noted the unpredictability of group memory due to the translocal nature of how places are connected to peoples and pasts through socio-political networks, cultural and economic connections, and personal and shared emotional geographies. To understand the complexities of ethical relationships we have with places marked by violence, we look to another example, the Memorial and Museum Camp Westerbork in the Netherlands. The past is never ‘set in stone’ or stable in present-day landscapes. Just as the narratives associated with remembering and forgetting the past may change through time, so too do the spatial contexts of memory. When space-times shift unexpectedly, new social discussions about the significance of the past in the present may emerge. With both examples in mind, we conclude by making a case for the creation of “responsible geographies of memory”. We argue that it is our professional responsibility as geographers and our obligation as global citizens to: 1) acknowledge that landscapes often function as places of critical testimony for survivors; 2) problematize singular claims to the authenticity of place made through universal narratives and seemingly stable material landscapes; 3) create safe spaces of listening, wherein stories about place can be articulated and acknowledged by various stakeholders, while recognizing the moral complexities in representing violence through textual, visual and embodied means; and 4) recognize the progressive potential of places as cosmopolitan spaces of encounter and learning. By treating places marked by difficult pasts as cosmopolitan, hosts and visitors are invited to engage critically with the unfolding processes of memory politics, and adopt respectful approaches toward justice that includes caring for places and peoples in the past and present.

Zusammenfassung:

Debatten über die Bedeutung von Orten der Erinnerung entstehen oftmals, wenn eine nicht aufgearbeitete Vergangenheit die gegenwärtige Nutzung dieser Orte in unerwarteter Weise in Frage stellt. Genau dies war der Fall, als im Jahr 2001 das IGU Regional Meeting in Chile in Santiagos Militärakademie ausgerichtet wurde. Ein Blick in die einschlägige geographische Literatur über Erinnerungsorte lässt die aus dieser Konferenz sich ergebende Debatte kaum überraschend erscheinen. Die kontroversen Prozesse kollektiven Gedenkens und Vergessens an Orten, die durch staatlich verübte Gewaltverbrechen gekennzeichnet sind, gelten seit langem als Gegenstand geographischer Forschung. Die Erkenntnisse belegen, dass kollektives Gedenken angesichts des translokalen Charakters, wie Orte mit Menschen und ihrer Vergangenheiten durch sozio-politische Netzwerke, kulturell und ökonomische Verbindungen sowie persönliche und geteilte Geographien der Emotion verknüpft sind, letztlich unvorhersehbar bleibt. Um die Komplexität unserer ethischen Beziehungen zu von Gewalt geprägten Orten zu verstehen, betrachten wir ein weiteres Beispiel – die „Gedenkstätte und Museum Lager Westerbork“ in den Niederlanden. Vergangenheit ist nie “in Stein gemeißelt” oder gleichbleibend in der gegenwärtigen Landschaft. Ebenso wie sich die mit Gedenken und Vergessen verbundenen Geschichten im Laufe der Zeit verändern können, gilt dies auch für räumliche Kontexte der Erinnerung. Kommt es zu unerwarteten Verschiebungen dieses raum-zeitlichen Gefüges, können daraus neue soziale Diskussionen über die Bedeutung der Vergangenheit für die Gegenwart erwachsen. Auf der Grundlage beider Fallbeispiele plädieren wir in der Schlussfolgerung für die Entwicklung „verantwortungsbewusster Geographien der Erinnerung“. Wir sind der Auffassung, dass es sowohl unserer professionellen Verantwortung als Geographen, als auch unserer Pflicht als Weltbürger entspricht: 1) anzuerkennen, dass Landschaften oftmals bedeutsame Zeugnisse für Überlebende darstellen; 2) einseitige Ansprüche auf Authentizität von Orten zu hinterfragen, die sich aus universalen Narrativen und vermeintlich beständigen materiellen Landschaften ergeben; 3) sichere Räume des Zuhörens zu schaffen, in denen unterschiedliche Interessengruppen ihre jeweiligen Erzählungen artikulieren und anerkennen sowie die moralische Komplexitäten der Gewalt textlich, visuell und verkörpert vermittelt werden können, und 4) das zunehmende Potential von Orten der Erinnerung als kosmopolitische Räume der Begegnung und des Lernens zu erkennen. Eine kosmopolitische Sicht auf historisch belastete Orte lädt Veranstalter und Besucher dazu ein, sich mit den Prozessen von Erinnerungspolitiken kritisch auseinanderzusetzen und eine respektvolle Haltung gegenüber einer solchen Gerechtigkeit einzunehmen, die (Für-)Sorge für Erinnerungsorte wie auch Menschen in Vergangenheit und Gegenwart einschließt.

Document Actions