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Are geographers religiously unmusical? Positionalities in geographical research on religion
Although there are indications that more geographers are taking up religion as an area of interest, geography of religion still is a subfield that is not very well developed. In particular, many new cultural geographers seem to shy away from including religion into their research as markers of identity alongside race, class and gender. The article investigates the reasons for this attitude, which has a long history and is connected with the (perceived) contrast between science and religion and the secularization thesis. For a long time, this was the generally accepted explanation for the decline of the significance of religion in Western societies, but recently this has been seriously questioned in its validity. In addition, the paper handles the question as to whether methodological agnosticism is the (only) adequate approach in doing research on religion from a social or cultural science view. If research is taken seriously, all researchers are inevitably confronted with their own biographies; with contingencies of cultural imprints and with influences of certain (a)religious milieux. So it is essential that they are aware of this and do not ignore it when researching. Being a believer certainly is not a disadvantage in doing research on religion but can be an advantage, just as it is an advantage or even a necessity for a musicologist to be able to read and practise music.
Obwohl in den letzten Jahren mehr Geographen als früher religiöse Phänomene in ihrer Forschung berücksichtigen, ist die Religionsgeographie nach wie vor ein unterentwickeltes Teilgebiet des Gesamtfachs. Insbesondere scheuen sich viele Vertreter der Neuen Kulturgeographie, das Thema Religion in ihre Forschungen einzubeziehen und sie als ein Identitätsmerkmal zu betrachten, das für viele Menschen so wichtig ist wie Rasse/Ethnizität, Klasse und Geschlecht. Der vorliegende Artikel fragt nach den Gründen für diese Haltung. Sie hat in der wissenschaftlichen Welt eine lange Geschichte und hängt mit dem (empfundenen) Gegensatz zwischen Religion und Wissenschaft sowie mit der Säkularisierungsthese zusammen. Diese stellte lange Zeit die bevorzugte und allgemein anerkannte Erklärung für den Bedeutungsrückgang von Religion in westlichen Gesellschaften dar, wird aber zunehmend in ihrer Gültigkeit in Zweifel gezogen. Weiter wird gefragt, ob der methodologische Agnostizismus die (einzig) angemessene Haltung eines Sozial- oder Kulturwissenschaftlers sei, der sich mit dem Phänomen Religion beschäftigt. Lässt er sich ernsthaft auf dieses Thema ein, so wird er bald mit der eigenen Biographie, der Kontingenz seiner kulturellen Prägungen und den Einflüssen bestimmter (a)religiöser Milieus konfrontiert. Dabei ist es wichtig, sich als Forscher dessen bewusst zu sein und es nicht zu ignorieren. Für einen Wissenschaftler muss es keinen Nachteil bedeuten, selbst Gläubiger zu sein; im Gegenteil, es kann ein Vorteil sein, so wie es für einen Musikwissenschaftler von Vorteil oder sogar notwendig ist, Noten lesen und selbst Musik machen zu können.
